Wenn Unternehmen über Ländergrenzen wachsen, wachsen die Bankbeziehungen meist ungeplant mit. Jede Gesellschaft hat eine eigene Bank, ein eigenes Online-Banking und eigene Konditionen. Das Ergebnis ist teuer und unübersichtlich: verstreute Liquidität, keine Zinsen auf Guthaben und kaum Verhandlungsmacht.
Zuerst die eigene Liquidität verstehen
Bevor ein CFO mit Banken spricht, sollte klar sein, wie viel Liquidität die Gruppe hält, wo sie liegt und welcher Teil dauerhaft nicht benötigt wird. Aus der täglichen Liquiditätsplanung lässt sich ableiten, welche Beträge für welche Laufzeiten angelegt werden können. Nicht verzinste Guthaben in Millionenhöhe sind in vielen Mittelständlern eine unterschätzte Ergebnisquelle.
Kriterien vor Angeboten
Die Auswahlkriterien sollten feststehen, bevor Angebote eingeholt werden:
- Eigene Präsenz in allen relevanten Ländern, nicht nur über Partnerbanken.
- Ein Rahmenvertrag und ein Online-Banking für alle Gesellschaften.
- Verzinsung von Einlagen, auch in lokalen Währungen.
- Anbindung an das ERP für Kontoauszüge und Zahlungsdateien.
- Garantien und Avale, Firmenkarten und Devisengeschäfte.
- Qualität und Erreichbarkeit der Betreuung.
Angebote vergleichbar machen
Banken bieten gern Pakete an, die sich schwer vergleichen lassen. Ein CFO sollte identische Anfragen stellen: Einlagenbeträge, Laufzeiten, Währungen, Zahlungsvolumen, Kartenbedarf. Nur so entsteht ein Vergleich auf gleicher Basis. Konditionen sollten schriftlich vorliegen, bevor ein aufwendiges Onboarding beginnt.
Phasen statt Big Bang
Ein schrittweiser Wechsel ist fast immer besser als ein vollständiger Umzug. Bestehende Banken bleiben als Zweitbanken erhalten, der Umzug erfolgt Land für Land. Einlagen werden gestaffelt: ein Teil fest, ein Teil rollierend, später auch in lokalen Währungen. Das reduziert das Risiko eines langsamen Onboardings und erhält Verhandlungsspielraum.
Avale getrennt betrachten
Garantie- und Avalbedarf sollte nicht automatisch an die Hausbankentscheidung gekoppelt werden. Kautionsversicherer sind oft eine günstigere Alternative. Wer beides vermischt, schwächt die eigene Position in beiden Verhandlungen.
Eine Seite für die Entscheidung
Die Geschäftsführung braucht eine einseitige Gegenüberstellung: Kosten, Zinsen, Länderabdeckung, Risiken und eine klare Empfehlung. Zwanzig Seiten Bankangebote führen zu einer Vertagung, nicht zu einer Entscheidung.



