Bei größeren Aufträgen verlangen Auftraggeber regelmäßig Sicherheiten: Anzahlungs-, Vertragserfüllungs- und Gewährleistungsbürgschaften. Für junge Gesellschaften oder Tochtergesellschaften ohne lange Bilanzhistorie wird das schnell zum Engpass. Die naheliegende Lösung, die eigene Hausbank, ist dabei nicht immer die beste.
Die versteckten Kosten der Barsicherheit
Manche Banken stellen Avale für junge Gesellschaften nur gegen vollständige Barhinterlegung. Häufig wird das gesperrte Guthaben nicht oder kaum verzinst, und zusätzlich fällt eine Avalprovision an. Wirtschaftlich zahlt das Unternehmen dann dafür, eigenes Geld zu blockieren. Ein CFO sollte deshalb immer die Gesamtkosten betrachten: Provision, Gebühren und die Opportunitätskosten der gebundenen Liquidität.
Die Optionen im Überblick
- Bankaval gegen Barsicherheit: schnell verfügbar, aber liquiditätsintensiv.
- Bankaval gegen Patronatserklärung oder Garantie der Muttergesellschaft: schont die Liquidität der Tochter, belastet aber die Mutter.
- Staatliche Förder- und Exportkreditinstitute: können Teile des Risikos übernehmen, haben aber eigene Voraussetzungen und Vorlaufzeiten.
- Kautionsversicherer: stellen Avalrahmen ohne Barhinterlegung, oft zu attraktiven Konditionen und unabhängig von der Bankbeziehung.
Viele Mittelständler kennen die letzte Option kaum, obwohl sie gerade für projektgetriebene Unternehmen oft die wirtschaftlichste ist.
Den Wortlaut genau prüfen
Nicht jede Bürgschaft ist gleich. Ein CFO sollte vor der Beauftragung klären: bedingte Bürgschaft oder Zahlung auf erstes Anfordern, Höhe und Reduzierung nach Abnahme, Laufzeit und Rückgabebedingungen. Diese Punkte beeinflussen das Risiko und damit den Preis.
Reihenfolge in der Verhandlung
Wer zu einer neuen Bank wechselt, um einen Avalrahmen zu bekommen, sollte die Zusage des Rahmens vor das Onboarding stellen. Sonst investiert das Unternehmen Zeit in Kontoeröffnung und Dokumentation, ohne zu wissen, ob es das bekommt, was es eigentlich braucht.
Avalbedarf planen
Der Avalbedarf ergibt sich aus der Auftragspipeline. Ein CFO sollte ihn genauso planen wie die Liquidität: Welche Aufträge kommen, welche Sicherheiten werden verlangt, wann werden Bürgschaften zurückgegeben? Ein ausreichender Rahmen, verteilt auf mehrere Geber, verschafft im Vertrieb einen echten Wettbewerbsvorteil.



